Eine Steine-Sammlung anlegen
Hier eine kleine Anleitung für Leute, die sich auch eine eigene Sammlung aufbauen möchten und noch wenig Erfahrung haben. Sie soll helfen,
Fehler zu vermeiden und das Ganze optimal zu organisieren. Hier meine Tipps:
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Nehmen Sie ruhig alle Steinearten (Mineralien, Gesteine, Fossilien, Flussgerölle …) in Ihre Sammlung auf, die Ihnen gefallen. Spezialisieren
können Sie sich später immer noch.
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Wie gut oder attraktiv eine Sammlung ist, hängt absolut nicht davon ab, wieviele Steine zur Sammlung gehören, sondern wie schön oder
interessant die Steine sind und wie gut geordnet die Sammlung ist. Auch der materielle bzw. finanzielle Wert einer Sammlung ist für echte
Sammler zweitrangig.
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Um Ordnung in einer Sammlung zu haben, ist es unerlässlich, sich bei sehr ähnlichen Stücken für nur eines zu entscheiden, sonst wird die
Sammlung unnötig verbreitert und vielleicht sogar langweilig, wenn sich viele sehr ähnliche Stücke aneinander reihen. Weniger ist da oft
mehr. Wenn etwa mehrere sehr ähnliche Amethyst-Stücke vorliegen, wird die Sammlung besser, wenn nur das schönste davon in die
Sammlung aufgenommen wird. Aber Achtung: Wenn „gleiche“ Steine unterschiedliche Eigenschaften, etwa deutlich verschiedene Kristallform
oder Farbe haben, können und sollen sie natürlich gemeinsam in die Sammlung. Es gibt sogar Steinsorten, von denen bewusst jeder
einzelne Stein als Unikat gesehen wird. Man kann also z.B. durchaus 50 oder mehr Achate in einer Sammlung haben, weil für Achat-
Liebhaber jedes Schnittbild ein anderes ästhetisches Aussehen zeigt und die verschiedenen Achat-Schnittbilder u.U. sogar wissenschaftlich
interessant sind und Rückschlüsse auf ihre Entstehung zulassen. Ein anderes Mineral, das wegen der Verschiedenartigkeit seines
Aussehens gerne in x-facher Anzahl gesammelt wird, ist z.B. der Fluorit.
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Wo man heute noch interessante Steine selbst finden kann, ist im Internet auf mehreren Websites ersichtlich. Erwähnt seien hier
„Mineralienatlas.de“ und „mindat.org“. Des Weiteren gibt es Sammlerzeitschriften wie z.B. „Lapis“ oder „Der Aufschluss“. Letztere ist die
Zeitschrift der „Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e.V.“, kurz VFMG genannt, der ich selbst seit 1974 angehöre. Bei den
zahlreichen erhältlichen Fachbüchern ist zu unterscheiden zwischen Bestimmungsbüchern und Fundort-Literatur. Erstere helfen dabei
gefundenen oder erworbenen Steinen einen Namen zuzuordnen, sie zu bestimmen. Fundort-Literatur hingegen beschreibt, was man wo
finden kann, z.B. in einer bestimmten Region. Mineralien und Fossilien exakt zu bestimmen, ist - wenn man von den allgemein bekannten,
häufigen Arten absieht - oft gar nicht so einfach. Viele Steinearten ähneln sich so sehr, dass Fotos alleine oft keine sichere Bestimmung
ermöglichen. Es ist auf viele Merkmale zu achten, und manchmal müssen selbst erfahrene Sammler passen. Kein Beinbruch: Man notiert in
seiner Sammlung dann z.B. einfach: vermutlich Phillipsit, vermutlich Topas …
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Bitte denken Sie daran, dass man beim Besuch von Steinbrüchen und anderem Privatgelände grundsätzlich beim Eigentümer eine Erlaubnis
zu Betreten einholen sollte, um keinen Platzverweis oder gar eine Anzeige zu riskieren. Des Weiteren ist zu beachten, dass vor allem in
Österreich, in der Schweiz und in Italien das Sammeln von Mineralien oder Fossilien teilweise verboten oder reglementiert, z.T. auch
gebührenpflichtig ist. Um sich Ärger zu ersparen, am besten vorher über die geltenden
Bestimmungen informieren!
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Als Werkzeug reichen meist ein Hammer (am besten ein sog. Geologenhammer) und ein Meißel.
Nicht vergessen: Zum Sammeln auch Papier (Küchenrolle oder Zeitungspapier) mitnehmen, damit
die aufgesammelten Funde einzeln eingewickelt werden können. So stellt man sicher, dass diese
Steine nicht aneinander scheuern und Beschädigungen verursachen können.
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Preiswerte oder interessante Zukäufe sind oft auf Flohmärkten, vor allem aber auf Mineralienbörsen
möglich, die von Zeit zu Zeit in bestimmten Städten alljährlich stattfinden. Dort gibt es manchmal
auch Stände von Sammlervereinen, wo man Steine zur Bestimmung vorlegen kann. Auch manche
Händler helfen gerne weiter.
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Interessante, für (fast) jedermann zugängliche Fundstellen sind die Schotterbänke in Flussläufen. Dort
sind bisweilen Steine zu finden, bei denen sich sogar ein Anschliff lohnt. In Zeiten mehr und mehr
verschwindender Bergwerke und aktiver Steinbrüche gewinnt das Sammeln von Geröllen immer mehr
Freunde, zumal diese vom fließenden Wasser abgerollten Steine oft interessante Geschichten erzählen, z.B. von ihrer Wanderung aus den
Zentralalpen durch eiszeitliches Gletschereis in die südlichen Regionen Bayerns.
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Die sebstgefundenen Steine dürfen meist mit Wasser, Spülmittel und einer weichen Bürste gereinigt werden. Vorsicht ist geboten, wenn es
sich um sehr zartes Material oder dünne Kriställchen handelt. Hier empfiehlt sich eher ein Bad im Ultraschallgerät, so auch bei Steinen, die
Hohlräume enthalten, die sogar für feine Bürsten nicht zugänglich sind. Wasserlösliche Steine wie der Halit (=Steinsalz) oder andere Salze
dürfen selbstverständlich gar nicht mit Wasser in Berührung kommen. Sie kann man allenfalls mit einem trockenen weichen Pinsel reinigen.
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Manchmal müssen Steine vor dem Unterbringen in der Sammlung verkleinert werden, z.B. wenn ein kleines Fossil auf einer großen
Steinplatte sitzt. Am besten zuerst an einer „unwichtigen“ Stelle ausprobieren, ob der Stein spaltbar ist oder das Objekt in hundert Stücke zu
zerspringen droht. Beim Spalten mit Hammer und Meißel bitte immer Schutzbrille verwenden! Für Sammler mit vielen eigenen Funden und
entsprechend großem Formatierungsbedarf gibt es im Zubehörhandel auch Steinspalt-Geräte, mit denen meist sehr präzises Spalten möglich
ist. Allerdings sind auch hier, wenngleich viel seltener, Zerstörungen des Objekts nie ganz auszuschließen.
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Alle Steine sollten in einem trockenen Raum aufbewahrt werden. Insbesondere metallhaltige Steine wie z:B. Pyrit und Markasit blühen bei
zu hoher Luftfeuchtigkeit oft aus, werden unansehnlich und zerfallen schließlich. Ganz allgemein empfiehlt es sich bei solchen Steinen auch
sehr, sie nach dem Waschen schnell zu trocknen. Auch die begehrten Nickel-Eisen-Meteorite rosten bei hoher Luftfeuchte sehr schnell. Bei
solchen Steinen kann man die Oberffläche auch mit dem farblosen und geruchsneutralen Paraffinöl einpinseln, um der Korrosion
vorzubeugen. Das Öl kann man in Drogerien beziehen und kostet nicht viel. Es kann außerdem dazu verwendet werden, mit einem Pinsel
unschöne Schlagstellen zu verschönern oder Kalkstein-Fossilien, z.B. Ammoniten oder Belemniten, mit einem sanften, ansprechenden Glanz
zu versehen - wenn man das will. Hier hat jeder Sammler seine eigenen Prinzipien.
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Es gibt lichtempfindliche Steine wie z.B. Rosenquarz und Realgar, die tunlichst vor großer Helligkeit und erst recht vor Sonneneinstrahlung
geschützt werden sollten.
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Große Vorsicht ist anzuraten bei radioaktiven Mineralien wie z.B. Autunit und Pechblende, weil sie zur Bildung des gesundheitsschädlichen
Gases Radon führen, das man keinesfalls in Wohn- oder Schlafräumen haben sollte. Solche Mineralien am besten nur in ständig gut
durchlüfteten Räumen aufbewahren. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten auch für giftige Mineralien, besonders für Quecksilber, das
gefährlich giftige Dämpfe absondert. Im letzteren Fall das Objekt am besten in einem durchsichtigen, luftundurchlässigen Döschen
aufbewahren. Alle giftigen Minerale wie z.B. Auripigment, Zinnober oder Chalkanthit entsprechend kennzeichnen und unbedingt für Kinder
unzugänglich aufbewahren!
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Wo man die Sammlung in der Wohnung unterbringt, hängt natürlich sehr vom zur Verfügung stehenden Platzangebot ab. Für den Anfang tun
es Sortimentskästen aus Pappe oder Plastik oder Setzkästen aus Holz, die man - möglichst vor Staub geschützt - in Schubladen stellt. Der
Traum aller Sammler sind aber beleuchtete Vitrinen, in denen die ganze Pracht der gesammelten Objekte voll zur Geltung kommt.
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Und jetzt kommt etwas sehr Wichtiges: Jedes Sammlungsobjekt sollte unbedingt fest mit einer kleinen Nummer beklebt werden. Die meisten
Steine haben eine (etwas schönere) „Oberseite“. Dann klebt man die Nummer auf die (etwas weiniger schöne) „Unterseite“ des Steins. Um
Nummern zu bekommen, am besten am Computer Zahlenreihen ausdrucken und mit der Schere ausschneiden. Wenn das Objekt zu klein ist,
um mit einer Nummer beklebt zu werden, dieses Steinchen am besten mit einem elastischen Kitt in ein durchsichtiges Plastikdöschen
montieren (nicht hineinkleben!). Sowohl Kitt als auch Döschen sind im Mineralien-Zubehör-Handel erhältlich. Im Schreibwarenhandel
erhältliche kleine selbstklebende Nummernetiketten (gehen meist nur bis Nr.100) sollten ebenfalls fest mit einem Klebstoff (z.B. Uhu)
angeklebt werden. Warum genügt es nicht, Zettelchen mit Angaben zum Sammlungsobjekt wie z.B. Name des Minerals und Fundort zu den
Steinen dazuzulegen? Jeder Bundesbürger zieht - statistisch gesehen - 3 x in seinem Leben um. Gerade die Hektik bei Umzügen sorgt oft
dafür, dass die Zettel durcheinander geraten oder - noch schlimmer - verloren gehen. Während man den Namen des Minerals oder Fossils
jederzeit wieder eruieren kann, ist das bei Fundortangaben meist nicht mehr möglich. Dabei ist diese Angabe - wenn der Fundort bekannt ist -
für alle ernsthaften Sammler ein Muss. Steine ohne Kenntnis des Fundorts sind für viele Sammler eine halbe Sache. Leider muss man
manchmal auch ohne sie auskommen, wenn die Vorbesitzer sie nicht gesichert haben oder die Angaben des „Lieferanten“ u.U. nicht
vertrauenswürdig sind.
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Und so kommen wir zu einer ebenfalls sehr wichtigen Sache: der fachgerechten Verwaltung einer Sammlung. Als erstes werden die
nummerierten Steine in einer Liste erfasst, dem sog. Sammlungskatalog. Es bieten sich hierfür PC-Tabellenprogramme wie z.B. Excel
hervorragend an. Diese Tabelle sollte unbedingt folgende Spalten enthalten: Nummer des Steins, Name des Steins, sein Fundort (so exakt
wie möglich beschrieben) und in welchem Jahr er gefunden wurde (oder ersatzweise: wann er in die Sammlung aufgenommen wurde). Wer
will und mag, kann weitere Spalten hinzufügen, z.B. Anmerkungen zu Besonderheiten der Ausbildung, ggf. der Kaufpreis des Objekts usw.
In meiner eigenen Sammlungsverwaltung habe ich weitere, sehr nützliche weitere Tabellenblätter angelegt, in welchem die
Sammlungsobjekte nach ihrer Zusammengehörigkeit übersichtlich aufgelistet sind. Hier gibt es in den Systematik-Sammlungen z.B. die
Mineralgruppen als Überschriften, z.B. Sulfide, und darunter sind die Steinearten aufgelistet, die zu dieser Gruppe gehören und in meiner
Sammlung als Belege vorhanden sind. Im Falle der Sulfide sind das z:B. Pyrit, Kupferkies, Zinkblende usw. Welche Steine miteinander
„verwandt“ sind, ist in vielen Fachbüchern beschrieben. In den Regionalsammlungen hingegen sind die Überschriften Fundorte oder
Fundgebiete, und hier sind darunter alle die Mineralien oder Fossilien aufgelistet, die ich hierzu in meiner Sammlung habe. In der Sammlung
„Mineralien aus Bayern“ ist z.B der Fundort Hagendorf als eine von vielen Überschriften gesetzt, darunter sind die von dort stammenden
Objekte wie z.B. Strunzit oder Zwieselit aufgelistet. Mit diesem System behält man also den Überblick, von welcher Mineral- oder
Fossilgruppe oder von welcher Fundstelle man welche Belege hat. So ist auch auf einen Blick zu sehen, was einem von den dort
vorkommenden Arten noch fehlt.
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Zuletzt noch die Empfehlung, in diesem Hobby mit möglichst vielen Sammlerkolleg/innen zu kommunizieren und von deren Erfahrung zu
profitieren. Ich wünsche jedenfalls viel Freude beim Steinesuchen und beim Aufbau einer Sammlung!
Eine Box mit Kleinfossilien
Eine beleuchtete Sammlungsvitrine
Eine rückseitig aufgeklebte
Sammlungsnummer
Ein Eldorado für Gerölle-Sammler: Das
Flussbett des Tagliamento im
oberitalienischen Friaul